Archiv der Kategorie 'Lesbares über Gelesenes'

PeterLicht Lesung

Ich mag PeterLicht. Und das hier ist echt guckbar und lohnt sich. Auch die Diskussion über den Text die danach da stattfindet gefällt mir, find ich lustig.

Poetry Schlamm

Hallo!

War aufm Wutzrock gewesen. Boah, war das verregnet!
Überall Matsch und Schlamm und alles eklig und nass und immer kalt. Am Samstag mitunter Sonne, aber nie so richtig warm. Trotzdem war die Stimmung der Hit, super nette Leute im Camp und drumherum, habe Menschen mit Boot kennen gelernt und Menschen von ganz weit her die E123 kannten, alles sehr angenehme Begegnungen.
Bands waren jetzt größtenteils nicht sooo meins und bei Großstadtgeflüster begab es sich leider, dass der Schlamm so tief war, dass alle darin fest steckten und so richtig mobiles Tanzen nur schwer möglich war und wenn jemand es für nötig hielt, mit seinem Oberkörper hin und her zu wippen dann hatte das nach vorne hin fast einen Domino Effekt, denn es ist echt schwer, das Gleichgewicht zu halten wenn die Füße unbeweglich sind, glaubt mir.
Vor mir postierten sich irgendwann zwei Riesen (einer mit Stalingrad 43 Trainingsjacke, fand ich sympathisch, auch wenn die enorme Größe der beiden Herren mich einschüchterte) von denen der eine vermehrt aggressiv auf mich reagierte der ich in seine Richtung geschubst wurde. So wurde ich also von beiden Seiten hin und her gestoßen, von der einen mit deutlichem Ärger der irgendwie fehladressiert war. Mir wurde es dann zu doof, ich verließ die Menge und stellte mich etwas an den Rand.
War insgesamt nicht so geil der Auftritt, muss ich sagen. Mir haben Lieder gefehlt und andere wurden gespielt die ich jetzt nicht sooo pralle finde, aber vor allem ist irgendwie die Stimmung nicht so recht rüber gekommen. Blieb bei alten Leuten in Glitzerkostümen die merkwürdige Ansagen machen … Das fand ich schade, weil ich die Band auf Platte echt total abfeier.
Vielleicht wäre auch ein feierwilligeres/fähigeres Publikum schon hilfreich gewesen. Außer bei „Ich muss gar nix“ war mit mitsingen eher „gar nix“ und, wie gesagt, tanzen war auch mehr so n utopischer Wunsch …
Habe vorher noch Phrasenmäher und Nobelpenner gesehen. War beides cool, vor allem Nobelpenner fand ich richtig gut.
Außerdem so ’ne Balkanmusik-Band die plötzlich das Bo auf der Bühne hatte, der dann auch das übliche Lied zum besten gab:

Dit war echt schön!

Besonders super fand ich dann noch den Poetry Slam am Sonntag, da hatte ich viel Spaß.
Unter anderem durfte ich die Performance dieses Burschen hier genießen:

Übrigens mit genau dem Text. War sehr, sehr gut. Er hat gewonnen.

Das hat mein ohnehin großes Interesse für Poetry Slam mal wieder etwas aufflammen lassen und ich fand zum Beispiel diesen tollen Slammer mit diesem einfach wunderbaren Text:

Auch Andy Strauß‘ Sachen hab ich mir bei der Gelegenheit mal wieder zu Gemüte geführt, der ist immernoch einfach konkurrenzlos einzigartig mit dem was er tut.

Yeah!!!

Wen ja alle immer geil finden ist Sebastian23. Ich find den auch cool, oft ist er mir allerdings ein bisschen zu seicht, irgendwie. Aber was ich gestern gefunden hab ist ein total cooles Lied von ihm! Mich beeindruckt, dass er es schafft, seinen Humor den er in Texten so oft unter Beweis stellt auch in musikalische Sphären zu übersetzen (also nicht einfach nur nen witzigen Songtext schreibt sondern auch musikalisch witzige Ideen hat.)

Hab ich heute den ganzen Tag gespielt und gesungen! Bin ich begeistert von.

Yeah. Das mal als kleine Flut von tollen Sachen.

Bis bald.

08. 09.: E123&typ:t.u.r.b.o. im Haus III&70! Wird super!!

Peter Pan Filme

Zeit über ein Thema zu schreiben zu dem ich seit geraumer Zeit Informationen zusammen zu tragen versuche.

peterpan

Mein Lieblingsbuch unter all den Lieblingsbüchern ist ohne jeden Zweifel J. M. Barries Peter Pan. Die größte Tragödie um dieses Buch ist meiner Meinung nach, dass die meisten Menschen diese wunderbare Geschichte vor allem mit dem grässlichen Disney Film der 50er Jahre assoziieren, der nun wirklich gar nichts von dem Charme der Buch- und Theatervorlage übrig lässt.
Das muss nicht sein. Es gibt viele Verfilmungen des Stoffes und dabei einige, die das Disney Machwerk weit übertreffen.

Den Anfang mach ich heute mal mit dem am leichtesten verfügbaren Film, nämlich der Realverfilmung von 2003.

peterpanfilmplakat

In den Hauprollen Peter Pan und Captain Hook sehen wir Jeremy Sumpter, der 2001 schon im wunderbaren „Dämonisch“ Film mitwirkte und nach Peter Pan leider irgendwie in der Versenkung verschwand (sehr zu Unrecht, finde ich) und Jason Isaacs (der auch die Rolle des Mr. Darling übernimmt – diese Doppelbesetzung ist bei Peter Pan Adaptionen quasi Tradition von der ersten Inszenierung an – und vor allem als Lucious Malfoy aus den Harry Potter Filmen bekannt sein dürfte). Wendy wird von Rachel Hurd-Wood gespielt, die im Gegesatz zu Sumpter auch nach diesem Film noch in größeren Kinoproduktionen spielte, zum Beispiel in Tykwers „Das Parfum“ (als das letzte Opfer Grenouilles).
Alle drei sind wunderbar besetzt. Jason Isaacs meistert, brillianter Darsteler der er ist, sowohl den Zwiespalt aus Tragik und Bosheit der Captain Hook Rolle ohne Probleme (und gibt einen noch besseren Piratenkapitän ab als Dustin Hoffman in dem Spielberg-Film) als auch den schusselig-liebenswürdigen Mr. Darling, in dem er kaum wieder zu erkennen ist und der absolut nichts zu tun hat mit dem Disney-Fettsack (dafür um so mehr mit dem Mr. Darling der ersten Stummfilm Version).

jasonisaacs

Ein erstaunlich wandlungsfähiger Schauspieler! Mr. Darling, Captain Hook, Lucoius Malfoy – Drei einander völlig unähnliche Rollen. In keiner davon hätte ich den Schauspieler der jeweils anderen so ohne weiteres wieder erkannt.

Jeremy Sumpter verkörpert Peter Pan einfach perfekt. Nicht das dämliche Pseudo-Rotzbengel Grinsen des Disney Comics, sondern die ganze Palette an Emotionen des Jungen der nicht erwachsenen weren will stehen auf dem Plan. Vom ersten Moment an („I wasn‘t crying about mothers! I was crycing because I can‘t get the shadow to stick … And I wasn‘t crying!“) verhält er sich genau so wie er es sollte (Ja, ich habe da sehr dogmatische Vorstellungen ;) ) Die ganze komplexe Psychologie die hinter dem Peter Pan Charakter steht bringt Sumpter perfekt auf den Punkt und das ist schon eine wirklich beachtliche Leistung für einen Jungen dieses Alters.

sumpter


Spielt zur Zeit, so weit ich weiß, in irgendeiner Highschool-Fernsehserie mit …

Schließlich Rachel Hurd-Wood die schon allein optisch nicht besser hätte besetzt werden können. Wenn mensch dann auch noch hört, wie großartig dieses Mädchen spricht (vom Akzent bis zur unverkrampften Begeisterung in jeder erzählten Geschichte oder der diebischen Freude beim dramatischen Ersinnen einer Bestrafung für die verlorenen Jungs – „Medicine!“) ist klar dass auch hier eine wunderbare Wahl getroffen wurde.

hurdwood

Wendy ist etwas älter geworden. In „Das Parfum“ gibt die das rothaarige Mordopfer.

Ihre beiden Brüder fallen nicht weiter auf, sind aber im Großen und ganzen so angelegt wie üblich (Hier war allerdings John mit seiner penetrant-streberhaften Art in anderen Verfilmungen schon charismatischer), die Darling-Eltern, wie schon angesprochen, sind perfekt, es gibt einen wunderbaren Smee (auch wenn der Hook-Smee irgendwie noch cooler war) und die verlorenen Jungs sind göttlich. („Let us carry her down to the house.“ „Hands!“ „They‘re a bit dirty … She must stay here and die!“) In all ihrer Unwissenheit (zum Beispiel ob der dramatischen Folgen die sie auf all ihr Handeln vermuten – meistens geht es bei ihnen entweder darum, sich gegenseitig zu töten, Piraten zu töten oder von Peter oder Piraten getötet zu werden) und Naivität sind sie herrlich getroffen ohne dabei zu Karikaturen zu verkommen.

verlorenejungs

Ganz schön schwer via Google ein Foto von den verlorenen Jungs zu bekommen. Lauter Rockerbanden oder dieser 80er Vampirfilm …

Unnötig noch zu schreiben dass auch die Piraten, Indianer und Meerjungfrauen sehr gut getroffen sind.
Das Drehbuch hält sich wunderbarerweise sehr nah am Buch und vor allem (und das ist das eine was der Disney Film vor allem anderen vernachlässigt und was ihn so grässlich macht) an die wunderbar poetische Sprache der Vorlage. „Never is an awfully long time, Peter“ und solcherlei Dinge – herrlich!

Wen ich weder aus dem Buch noch aus dem Theaterstück kenne ist die Tante Millicent, die für den Film erfunden wurde und sich herrlich in die Geschichte einfügt (auch die Geschichte mit dem „Kuss“ in Wendys Mundwinkel – Kenner des Buches wissen von der Beschreibung des Kusses in Mrs Darlings Mundwinkel „which Wendy could neve reach“ den dann Spoiler am Ende Peter mitnimmt Spoiler Ende) und nebenbei gesagt auch an die garstige Emma du Maurier erinnert über die der Film „Finding Neverland“ (Biopic über J. M. Barrie und die Entstehung von Peter Pan) andeutet, sie sei die Vorlage für Captain Hook gewesen.

millicent dublabla

Nun gut, Tante Millicent guckt ein bisschen netter, aber die du Maurier taut am Ende auch noch auf!

Mit genau dem Witz und genau der Tragik der Buchvorlage ist auch der Film angefüllt. Anders als bei Walt Disney und in den meisten der grauenhaften Musicals wurden hier nicht die unliebsamen weil „nicht kindgerechten“ Stellen (Wie zum Beispiel Tootles der als Strafe fürs Erschießen des „Wendyvogels“ erwartet, aufgespießt zu werden und sich diesem Schicksal auch reumütig fügt, allgemein das viele Gerede über töten und sterben – „To die would be an awfully big adventure!“ – und letztendlich die durchaus auch mal blutig ausartenden Kämpfe, sowie die komplizierte Beziehung zwischen Peter und Wendy, in der Peter Wendy als Mutterfigur sieht während sie sich in den Jungen verliebt hat) entfernt, sondern zum größten Teil erhalten (Nur das im Buch beschriebene Massaker an den Indianern wurde entschäft, beziehungsweise gestrichen und anders als im Buch zählen die verlorenen Jungs am Ende nicht zynisch, wie viele Piraten sie getötet haben, bis auch der letzte tot ist – wobei sie sich allerdings verzählen und zwei, darunter Smee, am Leben lassen. Das wäre allerdings im Film auch nicht so ohne Weiteres möglich gewesen, da es deutlich mehr Piraten gibt als in der Buchvorlage)

Für das gestrichene kommt am Anfang eine Szene hinzu die ich auch noch nicht kannte und von der ich daher annehme dass sie neu ist, die einen sehr deutlichen Seitenhieb auf die Prüderie der viktorianischen Gesellschaft darstellt, die ja nebenbei gesagt auch als Grund für die Entstehung dieser speziellen damals in England florierenden Kinderliteratur gilt, als Vorwand für die Flucht aus der grauen Realität quasi.

Die Filmmusik ist wunderbar! Im recht bekannt gewordenen Thema „Flying“ gefallen mir zwar die 80er Synthies nicht die kurz anklingen, die machen sich aber im Film genau so gut wie alles andere und fügen sich schön ein (kommen außerdem nur ganz kurz vor, ansonsten ist der Soundtrack klassisch symphonisch gehalten).

Zu guter Letzt gibt es noch etwas zum Ende zu sagen. Es gibt ein Ende für das Peter Pan Theaterstück, doch das wird allgemein nicht sehr geliebt. Schon Erich Kästner hat es in der ersten deutschen Übersetzung des Theaterstückes als „recht retardierend und unschlüssig“ bezeichnete und sämtliche Peter Pan „Fortsetzungen“ – der Hook Film und all die autorisierten und unautorisierten Bücher (und trarigerweise muss ich sagen, dass ausgerechnet die Disney Grütze von „Peter Pan2″ am ehesten an das echte Ende dran passt) – ignorieren es weitgehend. Das Ende des Buches sieht etwas anders aus als im Stück, erzählt aber ungefähr das Gleiche, geht nur noch ein Stückchen weiter. Dieses Ende ist auf der DVD des Spielfilmes als alternatives Ende enthalten, ohne Musik und mit unvollendeten Spezialeffekten.
Auf der einen Seite erzählt der Schluss die Poesie des Buches zuende und erklärt im Grunde die letzte Konsequenz von Peter Pans Wesen, auf der anderen Seite wirkt es auch ein bisschen wie die unnötige Beschreibung davon dass es immer weiter und weiter und weiter geht. Der Film findet einen guten Mittelweg (nicht im alternativen Ende sondern im „richtigen“) und gefällt mir daher auch in diesem Punkt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass diese Verfilmung von 2003 der beste Peter Pan Film ist den ich bisher gesehen habe. Ich schaue ihn mir immer wieder gerne an und er wird Buch und Theaterstück ziemlich gerecht, gerade weil sich viele der nötigen Spezialeffekte erst jetzt gänzlich überzeugend realisieren lassen.
Ich empfehle den Film sehr und hier gibt’s eine wunderbare Beispielszene die zwar spoilert, aber wem es bei Peter Pan um die Spannung und überraschenden Wendepunkte der Handlung geht, ist ohnehin etwas falsch bedient, denke ich. Bevor mensch irgendeinen Film sieht sollte ohnehin das Buch gelesen werden!
Hier also eine Szene, die im Theater als Interaktion mit dem Publikum gedacht war, filmisch umgesetzt:

Moving, isn‘t it?

Kill your Friends

Hallo

Nachdem Bohai mir vor Kurzem ein Stück aus dem wunderbaren Buch „Kill your Friends“ vorlas und ich es mir hernach von Bela B zuende vorlesen ließ (er hat aus dem Buch ein Hörbuch gemacht) möchte ich es hiermit allen Menschen wärmstens empfehlen. Es ist ekelhaft, zynisch, bitterböse, obszön, brutal und ziemlich lustig. Aus der Ich-Perspektive erzählt ein A&R Manager eines Major Labels in England von seinem Beruf und das ist, nun ja, hart … Drogen, Sex und Gewalt, alles kommt vor und macht eigentlich fast 90 Prozent des Jobs aus, um Musik geht es nur nebenbei, von Musik hat der Protagonist keine Ahnung, er kann sie nicht mal wirklich leiden.
Spannendes Buch mit vermutlich ’ner Menge Wahrheit drin (ich wills nicht hoffen, befürchte es aber, zumal der Autor, John Niven, selbst lange A&R Manager war). So funktioniert sie also, die Unterhaltungsindustrie, aha.
Auf jeden Fall ein Buch das es wert ist, gelesen zu werden (Oder gehört, Bela macht seine Sache beim Hörbuch Lesen echt ganz passabel) .

kill your friends

Hier noch, völlig unabhängig von der Buch Empfehlung, ein flottes Liedchen!

Und während ich mich frage warum die Kirche gegenüber den Ort jetzt gerade mit Glockengeläut terrorisieren muss mach ich mich mal weiter daran, zu versuchen, einem alten Beat einen Text auf den Leib zu schreiben …
Bis bald.

(NICHT VERGESSEN: 08. 09. E123&typ:t.u.r.b.o. im Haus III&70!!!)