Archiv der Kategorie 'Cineastisches'

Aus gegebendem Anlass

Das ist der Trailer zu Christoph Schlingensiefs „Das deutsche Kettensägenmassaker“.
Den find ich richtig cool! Wenn ihr den mal in die Finger kriegt – gucken! Ist anstrenegnd, aber lohnt sich :D

Entourage

Super Serie!

Produziert von Mark Wahlberg und angeblich lose auf dessen Biografie basierend, vor allem aber einfach eine gute Serie über einen Hollywood-Emporkömmling am Anfang seiner Karriere.

Gewissermaßen die Hauptrolle (der J. D. der Serie wenn es ein Vioceover gäbe) spielt Kevin Connolly (der den dummen, hässlichen, unbeliebten Bruder in „Undhappily ever after“ gespielt hat). Er ist der Manager und beste Freund des Hollywood Stars Vincent Chase und aus seiner Perspektive erleben wir Höhen und Tiefen des Hollywood-Lebens (Geschichte aus der Sicht eines Nebencharakters, genau die brilliante japanische Erzählweise die George Lucas in Star Wars kopiert hat, um mal einen völlig unsinnigen Zusammenhang herzustellen).

Stewie Griffin sagt zu der Serie: „Oh, really? Should I care about a guy who has everything?“ und hat halt nicht ganz Unrecht, die Serie ist aber trotzdem irgendwie gut.

Hier eine kleine Szene:

See? Lustig ohne albern zu werden, und dann doch unvermittelt tragisch. Prima Sache! Gucken!

Bis bald.

Whale of a Cop

Heute hab ich „King of B-Movies“ geguckt. Lustiger Film mit Jerry Stiller, den ich persönlich ja immer ein wenig verstörend finde …

Er spielt einen Regiesseur und Produzenten der zahlreiche Exploitation Filme gemacht hat, unter anderem diese Perle von einem Blockbuster von dem irgendwer dann später Free Willy abgekupfert hat. Schönes Gespräch dazu (ähnlich, habs jetzt nicht wortgetreu nochmal rausgehört): „Wenn ich einen Film über einen Jungen und seine Freundschaft zu einem Wal machen will können die Produzenten mir alles sagen, ob es ein Blauwal, Pottwald oder Buckelwal sein soll, aber nicht dass es ein Polizist sein soll! Der Film war einfach nicht mehr der selbe.“

Das ist doch wohl mal cooler als das städige „ACAB“, was? :D
Ich glaub ich mach n Lied draus. ;)

Zwei Götter gegen religiöse Fanatiker

Neill Patrick Harris und Jack Black in einem wundervollen kleinen Musical, das zwar schon einige Monate auf dem Buckel hat, das ich aber leider erst heute gefunden hab. Man kann’s nicht einbetten, also hier einfach der Link:
Prop 8 – The Musical

Was ich allerdings einbetten kann und was fast genau so unterhaltsam ist (wenn auch als Realsatire) ist dieser Beitrag von Fox News zum Thema:

Peter Pan Filme

Zeit über ein Thema zu schreiben zu dem ich seit geraumer Zeit Informationen zusammen zu tragen versuche.

peterpan

Mein Lieblingsbuch unter all den Lieblingsbüchern ist ohne jeden Zweifel J. M. Barries Peter Pan. Die größte Tragödie um dieses Buch ist meiner Meinung nach, dass die meisten Menschen diese wunderbare Geschichte vor allem mit dem grässlichen Disney Film der 50er Jahre assoziieren, der nun wirklich gar nichts von dem Charme der Buch- und Theatervorlage übrig lässt.
Das muss nicht sein. Es gibt viele Verfilmungen des Stoffes und dabei einige, die das Disney Machwerk weit übertreffen.

Den Anfang mach ich heute mal mit dem am leichtesten verfügbaren Film, nämlich der Realverfilmung von 2003.

peterpanfilmplakat

In den Hauprollen Peter Pan und Captain Hook sehen wir Jeremy Sumpter, der 2001 schon im wunderbaren „Dämonisch“ Film mitwirkte und nach Peter Pan leider irgendwie in der Versenkung verschwand (sehr zu Unrecht, finde ich) und Jason Isaacs (der auch die Rolle des Mr. Darling übernimmt – diese Doppelbesetzung ist bei Peter Pan Adaptionen quasi Tradition von der ersten Inszenierung an – und vor allem als Lucious Malfoy aus den Harry Potter Filmen bekannt sein dürfte). Wendy wird von Rachel Hurd-Wood gespielt, die im Gegesatz zu Sumpter auch nach diesem Film noch in größeren Kinoproduktionen spielte, zum Beispiel in Tykwers „Das Parfum“ (als das letzte Opfer Grenouilles).
Alle drei sind wunderbar besetzt. Jason Isaacs meistert, brillianter Darsteler der er ist, sowohl den Zwiespalt aus Tragik und Bosheit der Captain Hook Rolle ohne Probleme (und gibt einen noch besseren Piratenkapitän ab als Dustin Hoffman in dem Spielberg-Film) als auch den schusselig-liebenswürdigen Mr. Darling, in dem er kaum wieder zu erkennen ist und der absolut nichts zu tun hat mit dem Disney-Fettsack (dafür um so mehr mit dem Mr. Darling der ersten Stummfilm Version).

jasonisaacs

Ein erstaunlich wandlungsfähiger Schauspieler! Mr. Darling, Captain Hook, Lucoius Malfoy – Drei einander völlig unähnliche Rollen. In keiner davon hätte ich den Schauspieler der jeweils anderen so ohne weiteres wieder erkannt.

Jeremy Sumpter verkörpert Peter Pan einfach perfekt. Nicht das dämliche Pseudo-Rotzbengel Grinsen des Disney Comics, sondern die ganze Palette an Emotionen des Jungen der nicht erwachsenen weren will stehen auf dem Plan. Vom ersten Moment an („I wasn‘t crying about mothers! I was crycing because I can‘t get the shadow to stick … And I wasn‘t crying!“) verhält er sich genau so wie er es sollte (Ja, ich habe da sehr dogmatische Vorstellungen ;) ) Die ganze komplexe Psychologie die hinter dem Peter Pan Charakter steht bringt Sumpter perfekt auf den Punkt und das ist schon eine wirklich beachtliche Leistung für einen Jungen dieses Alters.

sumpter


Spielt zur Zeit, so weit ich weiß, in irgendeiner Highschool-Fernsehserie mit …

Schließlich Rachel Hurd-Wood die schon allein optisch nicht besser hätte besetzt werden können. Wenn mensch dann auch noch hört, wie großartig dieses Mädchen spricht (vom Akzent bis zur unverkrampften Begeisterung in jeder erzählten Geschichte oder der diebischen Freude beim dramatischen Ersinnen einer Bestrafung für die verlorenen Jungs – „Medicine!“) ist klar dass auch hier eine wunderbare Wahl getroffen wurde.

hurdwood

Wendy ist etwas älter geworden. In „Das Parfum“ gibt die das rothaarige Mordopfer.

Ihre beiden Brüder fallen nicht weiter auf, sind aber im Großen und ganzen so angelegt wie üblich (Hier war allerdings John mit seiner penetrant-streberhaften Art in anderen Verfilmungen schon charismatischer), die Darling-Eltern, wie schon angesprochen, sind perfekt, es gibt einen wunderbaren Smee (auch wenn der Hook-Smee irgendwie noch cooler war) und die verlorenen Jungs sind göttlich. („Let us carry her down to the house.“ „Hands!“ „They‘re a bit dirty … She must stay here and die!“) In all ihrer Unwissenheit (zum Beispiel ob der dramatischen Folgen die sie auf all ihr Handeln vermuten – meistens geht es bei ihnen entweder darum, sich gegenseitig zu töten, Piraten zu töten oder von Peter oder Piraten getötet zu werden) und Naivität sind sie herrlich getroffen ohne dabei zu Karikaturen zu verkommen.

verlorenejungs

Ganz schön schwer via Google ein Foto von den verlorenen Jungs zu bekommen. Lauter Rockerbanden oder dieser 80er Vampirfilm …

Unnötig noch zu schreiben dass auch die Piraten, Indianer und Meerjungfrauen sehr gut getroffen sind.
Das Drehbuch hält sich wunderbarerweise sehr nah am Buch und vor allem (und das ist das eine was der Disney Film vor allem anderen vernachlässigt und was ihn so grässlich macht) an die wunderbar poetische Sprache der Vorlage. „Never is an awfully long time, Peter“ und solcherlei Dinge – herrlich!

Wen ich weder aus dem Buch noch aus dem Theaterstück kenne ist die Tante Millicent, die für den Film erfunden wurde und sich herrlich in die Geschichte einfügt (auch die Geschichte mit dem „Kuss“ in Wendys Mundwinkel – Kenner des Buches wissen von der Beschreibung des Kusses in Mrs Darlings Mundwinkel „which Wendy could neve reach“ den dann Spoiler am Ende Peter mitnimmt Spoiler Ende) und nebenbei gesagt auch an die garstige Emma du Maurier erinnert über die der Film „Finding Neverland“ (Biopic über J. M. Barrie und die Entstehung von Peter Pan) andeutet, sie sei die Vorlage für Captain Hook gewesen.

millicent dublabla

Nun gut, Tante Millicent guckt ein bisschen netter, aber die du Maurier taut am Ende auch noch auf!

Mit genau dem Witz und genau der Tragik der Buchvorlage ist auch der Film angefüllt. Anders als bei Walt Disney und in den meisten der grauenhaften Musicals wurden hier nicht die unliebsamen weil „nicht kindgerechten“ Stellen (Wie zum Beispiel Tootles der als Strafe fürs Erschießen des „Wendyvogels“ erwartet, aufgespießt zu werden und sich diesem Schicksal auch reumütig fügt, allgemein das viele Gerede über töten und sterben – „To die would be an awfully big adventure!“ – und letztendlich die durchaus auch mal blutig ausartenden Kämpfe, sowie die komplizierte Beziehung zwischen Peter und Wendy, in der Peter Wendy als Mutterfigur sieht während sie sich in den Jungen verliebt hat) entfernt, sondern zum größten Teil erhalten (Nur das im Buch beschriebene Massaker an den Indianern wurde entschäft, beziehungsweise gestrichen und anders als im Buch zählen die verlorenen Jungs am Ende nicht zynisch, wie viele Piraten sie getötet haben, bis auch der letzte tot ist – wobei sie sich allerdings verzählen und zwei, darunter Smee, am Leben lassen. Das wäre allerdings im Film auch nicht so ohne Weiteres möglich gewesen, da es deutlich mehr Piraten gibt als in der Buchvorlage)

Für das gestrichene kommt am Anfang eine Szene hinzu die ich auch noch nicht kannte und von der ich daher annehme dass sie neu ist, die einen sehr deutlichen Seitenhieb auf die Prüderie der viktorianischen Gesellschaft darstellt, die ja nebenbei gesagt auch als Grund für die Entstehung dieser speziellen damals in England florierenden Kinderliteratur gilt, als Vorwand für die Flucht aus der grauen Realität quasi.

Die Filmmusik ist wunderbar! Im recht bekannt gewordenen Thema „Flying“ gefallen mir zwar die 80er Synthies nicht die kurz anklingen, die machen sich aber im Film genau so gut wie alles andere und fügen sich schön ein (kommen außerdem nur ganz kurz vor, ansonsten ist der Soundtrack klassisch symphonisch gehalten).

Zu guter Letzt gibt es noch etwas zum Ende zu sagen. Es gibt ein Ende für das Peter Pan Theaterstück, doch das wird allgemein nicht sehr geliebt. Schon Erich Kästner hat es in der ersten deutschen Übersetzung des Theaterstückes als „recht retardierend und unschlüssig“ bezeichnete und sämtliche Peter Pan „Fortsetzungen“ – der Hook Film und all die autorisierten und unautorisierten Bücher (und trarigerweise muss ich sagen, dass ausgerechnet die Disney Grütze von „Peter Pan2″ am ehesten an das echte Ende dran passt) – ignorieren es weitgehend. Das Ende des Buches sieht etwas anders aus als im Stück, erzählt aber ungefähr das Gleiche, geht nur noch ein Stückchen weiter. Dieses Ende ist auf der DVD des Spielfilmes als alternatives Ende enthalten, ohne Musik und mit unvollendeten Spezialeffekten.
Auf der einen Seite erzählt der Schluss die Poesie des Buches zuende und erklärt im Grunde die letzte Konsequenz von Peter Pans Wesen, auf der anderen Seite wirkt es auch ein bisschen wie die unnötige Beschreibung davon dass es immer weiter und weiter und weiter geht. Der Film findet einen guten Mittelweg (nicht im alternativen Ende sondern im „richtigen“) und gefällt mir daher auch in diesem Punkt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass diese Verfilmung von 2003 der beste Peter Pan Film ist den ich bisher gesehen habe. Ich schaue ihn mir immer wieder gerne an und er wird Buch und Theaterstück ziemlich gerecht, gerade weil sich viele der nötigen Spezialeffekte erst jetzt gänzlich überzeugend realisieren lassen.
Ich empfehle den Film sehr und hier gibt’s eine wunderbare Beispielszene die zwar spoilert, aber wem es bei Peter Pan um die Spannung und überraschenden Wendepunkte der Handlung geht, ist ohnehin etwas falsch bedient, denke ich. Bevor mensch irgendeinen Film sieht sollte ohnehin das Buch gelesen werden!
Hier also eine Szene, die im Theater als Interaktion mit dem Publikum gedacht war, filmisch umgesetzt:

Moving, isn‘t it?